Bondage – Gefahren und Risiken

Bondage – Gefahren und Risiken und wie man sie vermeiden kann!

Seilbondage wird immer beliebter. Doch was schön aussieht, ist nicht automatisch ungefährlich. Darum solltest du dich am besten im Vorhinein informieren. Damit aus Freude kein Frust wird und damit sich niemand verletzt oder bleibende Schäden davonträgt. Aber das ist kein Problem, dafür haben wir Dir diesen Beitrag geschrieben. Also los geht es.

Wie bei allen BDSM Praktiken gilt auch hier:

  • Immer mit Safeword!
  • Es müssen alle Beteiligte einverstanden sein!
  • Kommunikation!
  • 1. Nervenschädigungen bei Bondage

    Überreizte oder abgedrückte Nerven zählen zu den häufigsten Gefahren. Hier gilt: Information schützt zwar, Vorsicht ist aber besser. Mit einem guten Grundwissen über den Körper und seine empfindlichen Stellen kannst du die Chance auf Verletzungen grundsätzlich eindämmen, aber leider nicht vollständig eliminieren. Wichtig ist immer, dass dein Partner auf seinen Körper hört und dir sagt, wenn sich sein Körper wo seltsam anfühlt, wenn es an einer Stelle kribbelt oder ein Taubheitsgefühl in einer bestimmten Region einsetzt. Dies wären nämlich eindeutige Anzeichen dafür, dass Nerven von einem Seil überreizt oder abgedrückt werden.
    Doch es kann durchaus auch zu kurzzeitigen Beeinträchtigungen des Bewusstseins beim Gefesselten kommen, ebenso zu großflächigen Taubheitsgefühlen oder gar Lähmungen. Auch dauerhafte Verletzungen können entstehen, die nur durch langwierige Physiotherapien oder medikamentöse Behandlungen wieder geheilt werden können.
    Außerdem fallen einige Schädigungen nicht sofort, sondern erst viel später auf.

    Achselhöhle
    Vom Hals bis in die Achseln verläuft ein wichtiges Nervengeflecht namens „Plexus brachialis“, aus dem die Nerven für Arme, Schultern und Brust hervorgehen.
    Der Bereich der Achseln ist grundsätzlich sehr anfällig für Verletzungen und Schlimmeres, daher solltest du ihn unbedingt meiden.
    Überdehnst du die Region versehentlich, oder übt das Seil zu viel Druck aus, können die gesamten Nerven in den Armen beschädigt werden. Also: Kein Seil im Achselbereich!

    Arme
    Hier befindet sich der Radialis Nerv , der den ganzen Arm durchzieht.
    Insbesondere musst du darauf achten, dass zwischen Trizeps und Schultermuskel kein Druck ausgeübt wird, daher solltest du besser keine Fesselung in diesem Bereich befestigen. Auch beim Handgelenk und beim Übergang zwischen Unterarm und Handgelenk ist von einem Seil abzuraten. Verwendest du dennoch eines an diesen Stellen, kann es im schlimmsten Fall zu einer Schädigung des Radialis Nervs kommen, was oftmals eine „Kusshand“ zur Folge hat. Man nennt die Verletzung so, weil die Finger und die Hand ab dem Handgelenk schlaff nach unten hängen.

    Ellenbogen
    Der Ulnaris Nerv befindet sich im Bereich des Ellenbogens. Wird dieser beschädigt, dann tritt oft ein Taubheitsgefühl im Ringfinger und im kleinen Finger auf. Bei schwerer Beschädigung des Nervs kann allerdings auch eine sogenannte „Krallenhand“ auftreten. Wie der Name schon sagt, sind die Finger leicht gebeugt, ein Strecken oder das Bilden einer Faust ist aber fast bis gar nicht mehr möglich.

    Arminnenseite
    Von der Innenseite der Oberarme über das Schlüsselbein bis zum Hals erstreckt sich der Medianus Nerv. Um Verletzungen zu vermeiden, solltest du darauf achten, dass kein Druck auf die Innenseite des Oberarms ausgeübt wird.
    Anzeichen für eine Beschädigung sind Taubheitsgefühle in Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Bei heftigeren Verletzungen des Nervs kann eine „Schwurhand“ entstehen, eine weitere Fehlstellung, bei der der Zeigefinger ausgestreckt, der Mittelfinger etwas gebeugt und der Ringfinger und der kleine Finger völlig gebeugt sind.

    Unterschenkel
    Auf der Außenseite des Unterschenkels verläuft bis zum Fußrücken hinunter der Peronaeus Nerv. Er ist äußerst empfindlich und besonders an der Außenseite des Schenkels leicht zu verletzen. Eine Schädigung des Nervs kann eine Fuß- oder Zehenhebeschwäche zur Folge haben, das bedeutet, dass dein Partner dann nicht mehr auf seinen Fersen gehen kann. Hier solltest du auf Fesselungen unbedingt verzichten.

    2. Unfallgefahr bei Fesselspielen

    Nerven
    Meistens äußert sich ein abgedrückter Nerv (meistens, nicht immer!) durch ein Kribbeln in einer Körperregion, durch die der Nerv verläuft. Ist der Nerv stark abgeklemmt, dann kann es eben doch passieren, dass jegliches Gefühl aus dem Körperteil schwindet und es taub wird, ohne dass der Gefesselte es bemerkt. Übrigens bedeutet ein Kribbeln in der Hand nicht automatisch, dass ein Seil am Handgelenk zu viel Druck ausübt. Das Kribbeln könnte auch von einem Seil an der Schulter ausgelöst werden. Zur „Fehlersuche“ hilft oft schon ein leichtes Verrücken der Seile, denn sobald der Druck fort ist, sollte das Gefühl in der betroffenen Körperregion innerhalb weniger Augenblicke wieder zurückgekehrt sein. Manchmal führt es aber zuerst zu einem stärkeren Kribbeln, bevor es sich dann auflöst. Treten aber Schmerzen auf oder bleibt das Zurechtrücken der Seile erfolglos, musst du deinen Partner sofort aus den Seilen befreien! Hier herrscht zwar noch kein Grund zur Panik, doch der Gefesselte sollte wirklich nicht länger als notwendig in den Seilen verharren müssen. Handelt es sich jedoch um starke Schmerzen, ist durchaus Hektik angesagt, in diesem Fall wäre es sogar das Beste, wenn du die Seile zerschneiden würdest.
    Hier solltest du wirklich nicht zögern.
    Leidet dein Partner nach dem Lösen der Seile immer noch an Kribbeln, Taubheit oder an Schmerzen, dann solltet ihr unbedingt einen Arzt aufsuchen.

    Ein deutlicher Hinweis für zu viel Druck auf einem Nerv ist auch das Fehlen von Funktionen des betroffenen Körperteils. Beispielsweise, wenn der Gefesselte mit seiner Hand keinen Druck mehr ausüben kann. Funktioniert es nach dem Lösen der Seile immer noch nicht, dann müsst ihr sofort einen Arzt aufsuchen!

    Blutstau
    Dann kann es noch zu einem Blutstau kommen, was sich aber anders als ein eingeklemmter Nerv anfühlt und auch wesentlich ungefährlicher ist. Körperzellen können zum Teil stundenlang mit eingeschränkter Blutzufuhr auskommen, das Risiko von Verletzung erhöht sich aber mit zunehmender Dauer. Ein typisches Anzeichen für einen Blutstau sind Verfärbungen der Haut, manchmal fühlen sich die betroffenen Stellen dick oder aufgebläht an oder tun weh. Wenn so eine Verfärbung auftritt, genügt es oft, die Position der Seile etwas zu justieren. Verspürt der Gefesselte allerdings Schmerzen, dann sollest du die Fesselung sofort lösen. Anders als bei den Nerveneinklemmungen befindet sich ein Blutstau übrigens immer genau dort, wo er verspürt wird.

    Kalter Schweiß
    Noch ein Zeichen dafür, dass es etwas nicht in Ordnung ist, ist kalter Schweiß. Dieser ist im normalen Fall eine körpereigene Reaktion auf eine Vergiftung, denn der Körper versucht, so viele Giftstoffe wie möglich über die Haut loszuwerden. Tritt dieses Symptom bei deinem Partner auf, solltest du mit ihm sprechen und sofern sich keine Erklärung für den kalten Schweiß findet, sollte die Fesselung abgebrochen werden.

    Atmung
    Das Einengen der Atmung birgt immer ein großes Risiko!
    Darum solltest du keinesfalls Seile am Hals befestigen, denn hier verlaufen die wichtigsten Blutgefäße und die Luftröhre. Auch die Halsschlagader und wichtige Nerven, die zum Gehirn hin und weg führen, befinden sich dort. Im schlimmsten Fall kann ein Seil am Hals Erdrosseln zur Folge haben. Doch schon alleine die mangelnde Versorgung des Kopfes mit Sauerstoff und Blut kann zu Bewusstlosigkeit, Herz-Kreislauf-Versagen, Krampfanfällen oder bleibenden Schäden führen. Auch psychische Reaktionen, wie eine Panikattacke, können zu einer Hyperventilation führen, die wiederrum in Benommenheit enden kann.

    Atmet der Gefesselte auffällig, muss eine Normalisierung der Atmung stattfinden. Zum Beispiel kann eine einfache Tüte schon helfen, in die dein Partner mehrere Male atmet.

    Kreislauf
    Fällt der Blutdruck des Gefesselten, zeigt sich dies meist durch Blässe, Schweiß und Kälte.
    Bei Aufregung, also einer Erhöhung des Blutdrucks, wird dein Partner rot und könnte über Kopfschmerzen klagen. Dafür könnte womöglich ein Problem mit der Atmung in Frage kommen und du solltest feststellen, ob ein Seil zu viel Druck ausübt und mit deinem Partner sprechen. Manchmal liegt es aber auch einfach an zu warmer oder kalter Temperatur in der Umgebung oder an der Luftqualität.
    Achte auf Symptome wie kalten Schweiß, Gleichgewichtsstörungen, Benommenheit und Gesichtsfarbe und brich die Session im Zweifelsfall ab.

    3. Sicherheitsvorkehrungen bei Bondagesessions

    Fachwissen und ein sensibler Umgang mit dem Thema Sicherheit sind unerlässlich, um seine Fantasien ausleben und Bondage durch und durch genießen zu können. Nichts desto trotz ist es empfehlenswert, einen Workshop zu besuchen, in dem mögliche Gefahren und deren Vorbeugung demonstriert und gut erklärt werden.
    Grundsätzlich kannst du dich aber auch schon an ein paar einfachen Grundregeln orientieren, die das Risiko für Unfälle enorm verringern.

    Kommunikation
    Kommunikation ist das Wichtigste, vor, während und nach einer Session.
    Wenn du dich mit deinem Partner im Vorhinein gut absprichst, einen Rahmen festlegst, Besonderheiten besprichst und auch während der Fesselung verbal mit ihm in Kontakt bleibst, kannst du die Situation immer gut einschätzen und das Auftreten von Risiken größtenteils eliminieren.
    Informiere dich auch über Vorerkrankungen deines Partners oder über mögliche körperliche Beeinträchtigungen.

    Das richtige Equipment
    Die von dir verwendeten Materialien sollten auf jeden Fall ihren Zweck erfüllen und deinem Partner keine Schmerzen verursachen. Du solltest aber immer eine Schere oder ein Cutter-Messer mit stumpfer Spitze griffbereit in der Nähe haben.

    Drogen und Alkohol
    Beides gehört auf keinen Fall in eine Bondage-Session! Es verwirrt nur deinen Verstand und trübt dein Urteilsvermögen.

    Als Fessler hast du außerdem Pflichten gegenüber deinem Partner, zum Beispiel, dass du dich im Vorhinein ausreichend informieren musst, schon Erfahrung hast und alles tun wirst, um das Auftreten von Risiken zu minimieren. Die gefesselte Person solltest du desweiteren niemals alleine lassen!
    Als Gefesselte Person solltest du bereit dazu sein, den Fessler bei allen Sicherheitsvorkehrungen so gut wie möglich zu unterstützen.

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