Bondage Art, die fesselnde Kunst

Arme, Beine, nackte Körper verschmelzen mit Seilen, Lederfesseln und Satinbändern zu kunstvollen Figuren. Regungslos, unfähig zur Bewegung wird der gebändigte Körper zum menschlichen Kunstwerk. Bondage, das lustvolle Spiel der Fixierung, hat deutlich mehr zu bieten als Haue und „Fifty Shades“. Schon vor dem Weltbestseller fanden kunstvolle Fesselungen Einzug in die Literatur, die Musik und Comics. Spätestens mit der Einführung des traditionellen japanischen Shibari in die Welt westlicher Rigger wurde das Fesseln selbst zur Kunstform erhoben. Die künstlerische Auseinandersetzung mit der Ästhetik im BDSM wird als Bondage Art zusammengefasst.

Arten der Bondage Art

Was ist Bondage?

Eine Frage, die sich wohl jeder stellt, der zum ersten Mal seiner Neigung nachgehen möchte. Der ein Verlangen spürt, sich fallen zu lassen oder sein gegenüber führen zu wollen. Jedes Mal, wenn die Antwort näher zu rücken scheint, eröffnen sich neue Spielarten, steigen neue Phantasien auf. Wer einen Partner gefunden hat, dem er rückhaltlos vertraut, kann eine ungeheure Vielfalt erleben. Entsprechend gibt es zahlreiche Varianten der Bondage Kunst. Shibari, japanische Fesseltechniken, nimmt dabei sicher eine Sonderstellung ein, weil das kunstvolle Fixieren oft Teil des Spiels ist. Daneben gibt es aber auch andere Ausformungen, die in Musik und Film teils unterschwellig, teils offensichtlich zutage treten.

Japanese Bondage

Die Ursprünge hat das Shibari nicht im sexuell lustvollen Bereich, sondern tatsächlich in der Bestrafung. Soldaten und Polizisten wurden durch die teilweise erniedrigenden Fesselungen für Fehlverhalten sanktioniert. Ob hierbei auch sexuelle Machtgelüste eine Rolle gespielt haben, sei dahingestellt. In jedem Fall war der Weg der aufwendigen Techniken hinüber in die erotische Kunst nicht weit.

Drei weibliche Körper mit einem Shibari von Zee Maitri in Szene gesetzt.

Shibari von ©Zee Maitri

Schon in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts beschäftigten sich die ersten Fotografen mit gefesselten Personen, in aller Regeln Frauen, als künstlerisches Motiv. Die wesentliche Besonderheit des Shibari liegt im Gegensatz zu früher eher plumpen Fesselarten in Europa und Amerika – hier werden noch heute vornehmlich Lederfesseln und Handschellen eingesetzt – in der künstlerischen Gestaltung des Körpers durch Seile. Körperpartien wie die Brüste, der Hintern, der Bauch, der Hals, die Beine oder die Arme können gezielt in Szene gesetzt werden. Dabei umspielen die häufig aus Jute oder Hanf gefertigten Seile die Körperformen gekonnt oder modellieren diese sogar neu. Entsprechend lange dauert die Ausbildung eines Riggers, dem Fesselnden. Nur wenige Meister beherrschen die Techniken in Perfektion, meistens bilden sie dabei sogar einen eigenen Stil aus. Wer eine traditionelle Fesselung in Japan erleben möchte, sollte sich zuvor gut mit den Begrifflichkeiten auseinandersetzen, die sich von der westlichen Bedeutung unterscheiden können. In Japan firmieren die fesselnden Künstler unter dem Namen „Bakushi„, der allerdings nicht geschützt ist. Die eigentliche Zeremonie wird als „Kinbaku“ bezeichnet, „Shibari“ meint hingegen das Fesseln und Binden im Allgemeinen – unabhängig von Körpern und erotischen Phantasien.

Westliches Bondage

Inspiriert vom japanischen Bondage, ist die Fesselkunst mittlerweile fester Bestandteil des westlichen Bondage. Im Gegensatz zur japanischen Auslegung kommen hierbei oft weitere Gegenstände und Materialien zum Einsatz, insbesondere ist ein stärkerer Bezug zum Fetisch spürbar. Körperbetonte Fesselungen werden zum Beispiel oft mit dem ebenfalls sehr formgebenden Latex kombiniert. Poliertes Gummi kann im Wortsinn ein Highlight setzen. Ebenso ist im westlichen Bondage das Fesseln meist eher die Vorbereitung auf das Spiel. In Japan ist hingegen die Shibari-Zeremonie beziehungsweise das Kinbaku der wesentliche Akt, der eine enge Verbindung zwischen aktivem und passivem Part bildet – nicht nur durch die Seile. Wegen der kulturellen Vorherrschaft der Amerikaner im westlichen Bondage stammen fast alle Begriffe aus dem Englischen. Der Fesselnde, aktive Partner ist der „Rigger“ beziehungsweise die „Queen“, sofern eine dominante Frau diese Rolle übernimmt. Der devote Part wird häufig als „Bunny“ bezeichnet, das verwendete Seil ist ein „rope“. Daher wird für das westliche Bondage gelegentlich auch das Synonym „Rope-Bondage“ gebraucht.

Bondage in Film und Theater

Die Adaption von Bondage in Filme und Musik(videos) wird von der BDSM-Szene im Allgemeinen kritisch beäugt. Zu groß ist die Sorge, hier öffentlichkeitswirksam Tabubrüche zu inszenieren, um ein voyeuristisches Publikum anzusprechen. Allerdings gibt es auch Produktionen, die eine ernstzunehmende künstlerische Auseinandersetzung wagen. „Die Geschichte der O“ und die polarisierenden „120 Tage von Sodom“ gehören sicher zu den Klassikern. Sehr sehenswert und vielschichtig ist das Werk „Die Klavierspielerin“, das zugleich einen analytischen Ansatz wagt. Unbedingt empfehlenswert ist außerdem „Venus im Pelz“, ein Film der auf die gleichnamige Novelle von Leopold von Sacher-Masoch aus dem Jahr 1870 zurückgeht. Darin geht es um einen masochistischen Jüngling, der einer älteren Dame als Sklave dient – darin jedoch langfristig nicht seine Erfüllung findet. Der Begriff „Masochismus“ wurde übrigens aus dem Namen des Autors abgeleitet.

Weitere interessante Filme sind:

  • Marquis de Sade: Justine
  • A Woman of the World
  • SM Richter

Bondage in der Musik

In der Musik wird BDSM auf verschiedene Weisen thematisiert. Als schillerndstes Beispiel der Popkultur kann sicher Madonnas „human nature“ angesehen werden.
Aber auch die deutsche Punkband Die Ärzte bedienen sich im Bandlogo und vielen Liedern des Themas Bondage.

Bondage in der Literatur

Wohl in keiner anderen Kunstform hat der Sadomasochismus und seine Unterform das Bondage so früh und so zentral Einzug erhalten wie in der Literatur. Zu Beginn vor allem in der Darstellung von Flagellation, Unterwerfung und Sadismus. Das eigentliche Bondage, also die Fesselung, spielt hingegen in der Regel nur eine beigeordnete Rolle. Zu den wichtigsten Werken gehören die „Geschichte der O“ von Anne Declos (unter dem Pseudonym Pauline Réage), „9 1/2 Wochen. Erinnerungen an eine Liebesaffäre“ von Elizabeth McNeill und selbstverständlich die Werke des Marquis de Sade, beispielsweise „Justine oder das Unglück der Tugend“ aus dem Jahr 1791.

Weitere Bücher mit Bondage-Themen sind:

  • Die Philosophie im Boudoir
  • Birchen Sports
  • Rückkehr nach Roissy

Bondage in Comics

Die künstlerische Darstellung von Fesselungen, durchaus mit erotischem Hintergrund, ist keinesfalls eine Erscheinung der Neuzeit. Ebenso ist es ein Irrglaube, BDSM-Phantasien bestünden erst seit dem 20. Jahrhundert. Ein früher Beleg für die explizite Darstellung einer nackten und gefesselten Frau stammt aus dem Jahr 1870. Das Bild „Knight Errant“ von John Everett Millais zeigt eine mit Seilen gefesselte Frau, die von einem Ritter befreit wird. Das Motiv des rettenden Superhelden, der gefesselte Damen aus ihren misslichen Lagen befreit, blieb lange Zeit vorherrschend in Comics, die der Bondage Art zuzurechnen sind. Hochkonjunktur hatten entsprechende Hefte in den 1930er und 40er Jahren. Mit Bettie Page gab es gegen Ende dieser Phase das erste Pin-Up-Bondage-Model, das größere Aufmerksamkeit erlangte. Sie war jedoch überwiegend auf Fotos und Fotogeschichten zu sehen. Während Sie noch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen hatte, ebneten Fesseldarstellungen aus dieser Zeit dennoch den Weg hin zu den diversifizierten Comics, die heute erhältlich sind. Die künstlerische Freiheit der Malerei erlaubt es den Zeichnern, Bondage auch unter Phantasiewesen, überspitzt athletisch dargestellten Männern und Frauen sowie als Teil einer fiktiven Geschichte darzustellen.

Comiczeichner mit Bondage-Bezug sind zum Beispiel:

  • Guido Crepax
  • John Willie
  • Erich von Götha
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